Verschtanden.

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Facebook als Lebensretter?

Ich staunte nicht schlecht, als ich heute wie jeden morgen im Bett die Nachrichten via Twitter las. Facebook kündigte ein neues Tool an, dessen Präsentation heute morgen (nach amerikanischer Zeit) statt fand und das nach eigener Aussage Leben retten kann. Aha, dachte ich. So weit, so gut.

Kurz nach der Präsentation machte sich Ernüchterung und auch etwas Unverständnis breit. Wobei Ernüchterung evtl. etwas hoch gegriffen ist, denn von Facebook erwarte ich schon seit langem keine wirklich sinnvollen Weiterentwicklungen (im Sinne der Nutzer) mehr.

Die großspurig angekündigte Erneuerung ist lediglich eine “Organspendefunktion”, d.h. man hat nun die Möglichkeit in sein Profil einzutragen, dass man Organspender ist (oder eben nicht). Zwar ist diese Funktion nicht ganz so unnütz wie die Tatsache, dass man in seine Chronik eintragen kann wann man sich welches Körperteil zuletzt wie gebrochen hat (WOZU SOLLTE ICH….??), aber Zweifel am Sinn der Neuerung habe ich dennoch.

Warum sollte man seinen Organspendestatus in seinem Facebookprofil vermerken? Wenn ich ernsthaft Organspender bin, dann trage ich doch immer einen entsprechenden Ausweis bei mir, oder irre ich mich? Sollen die Sanitäter im Falle eines Unglücks schnell auf mein Facebookprofil schauen, um zu sehen ob und sie die Organe entnehmen dürfen?

Man könnte jetzt natürlich einwenden, dass Personen, die eine Organspende benötigen schneller sehen könnten, ob einer seiner Freunde einem ein passendes Organ spenden kann. Dazu soll es auch eigene, private Gruppen geben. Aber auch diese Möglichkeit erscheint mir wenig plausibel. Wenn ein enger Freund ein Organ benötigt, das ich zu spenden bereit bin, dann würde er vermutlich auch ohne Facebook davon wissen.

So stellt sich die Frage, ob diese Funktion nicht größtenteils wieder nur einem der Hauptzwecke Facebooks dient: der Selbstdarstellung, in diesem Fall der Selbstdarstellung als barmherziger Organspender bzw. Gutmensch (Vorsicht: Polemik!). Zudem betreibt Facebook hier meiner Ansicht nach z.T. auch eher Augenwischerei, um der massiven Kritik der Datenschützer entgegenzuhalten, dass sie ja auch “sinnvolle” und “lebensrettende” Funktionen anbieten und damit scheinbar einen gesellschaftlichen Mehrwert erzeugen. Kann man sehen, wie man möchte.

Einziger, zweifelsfreier Vorteil des Ganzen: das Thema Organspende rückt wieder etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Dennoch: ich werde meinen Status wahrscheinlich nicht ändern, sobald die Funktion in Deutschland verfügbar ist. Und das hat in meinen Augen genau so viel mit Egoismus zutun, wie das Eintragen des Statuses mit Altruismus, nämlich rein gar nichts.

P.s.: Wer eines meiner Organe benötigt, kann mich aber gern per Facebook kontaktieren! ;)

Hier nochmal der Link zur Pressemitteilung: http://newsroom.fb.com/News/Organ-Donation-Friends-Saving-Lives-15f.aspx

Quelle: newsroom.fb.com

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    • #donor
  • Vor 1 Jahr
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